Aus Ziegelbruch wird Zukunft – MFPA Weimar beim Würzburger Ziegellehrgang

Beim diesjährigen Würzburger Ziegellehrgang war die MFPA Weimar erneut mit einem Fachvortrag vertreten. Dr. Anne Tretau und Dr. Sabine Schmidt präsentierten zentrale Ergebnisse aus dem bereits abgeschlossenen Forschungsprojekt Sutracrete, das sich der innovativen Produktentwicklung aus recycelten Mauerziegeln widmet.

Im Fokus des Vortrags mit dem Thema „Produktentwicklung auf Basis von Ziegelbruch“ standen folgende Ansätze:

  • Zusatzstoff für die Betonherstellung aus niedrig gebrannten Ziegelbruch
  • Substitution natürlicher Gesteinskörnungen in Sutracrete-Beton durch dicht gebrannte Ziegelprodukte wie Pflasterklinker oder Dachziegel
  • Ökobilanzierung
  • Fluoreszierende Marker für einen Digitalen Produktpass

Die Teilnehmenden des wichtigsten Branchentreffs der Ziegelindustrie zeigten großes Interesse an den vorgestellten Lösungswegen – selbst in der späten Vortragsrunde.

Ein herzliches Dankeschön geht an das Tagungsteam um Andreas Klarmann und Dagmar Schädel für die hervorragende Organisation sowie an den Programmbeirat für die Möglichkeit, unsere Forschungsergebnisse vor einem so breit aufgestellten Fachpublikum präsentieren zu dürfen.

Fachlicher Hintergrund: Das Projekt Sutracrete

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt Sutracrete verfolgt das Ziel, Mauerwerksbruch als Wertstoff in der Betonproduktion nutzbar zu machen. Durch innovative Aufbereitungs- und Prüfverfahren wird gezeigt, wie recycelte Ziegelprodukte ökologisch und technisch sinnvoll in Betonrezepturen integriert werden können.

Ziegelmehl und Ziegelgesteinskörnung als Ressourcenschlüssel

Das Projekt setzt auf zwei Materialströme, die gezielt kombiniert werden:

  • Ziegelmehl dient als puzzolanischer Zusatzstoff und kann Anteile des Zementklinkers ersetzen.
  • Ziegelgesteinskörnung fungiert als Sandersatz in Betonmischungen.

Beide Ansätze reduzieren den Einsatz natürlicher Rohstoffe wie Sand und Ton um bis zu 30 %. Diese Substitution schont nicht nur Ökosysteme, sondern trägt auch zur Senkung von CO₂-Emissionen bei – ein wesentlicher Faktor für eine umweltfreundlichere Baustoffproduktion.

Dauerhaftigkeit im Fokus: DMTA-Prüfungen

Um die Leistungsfähigkeit der modifizierten Betone zu überprüfen, wurden dynamisch-mechanische Thermoanalysen (DMTA) durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen:

  • erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischen und thermischen Belastungen
  • deutlich reduzierte Rissbildung
  • eine insgesamt längere Materiallebensdauer

Die Kombination aus Ziegelmehl und Ziegelkörnung wirkt somit nicht nur ökologisch, sondern auch technisch leistungssteigernd.

TrackByStars: Fälschungssichere und digitale Nachverfolgbarkeit

Ein technologisches Highlight in Sutracrete ist der Einsatz des Fluoreszenzmarkers TrackByStars. Die Technologie ermöglicht es, Baustoffe mit einem einzigartigen, unsichtbaren Partikelmuster zu kennzeichnen, das erst durch spezielle Beleuchtung sichtbar wird.

Die Vorteile:

  • fälschungssichere Identifikation
  • lebenslange Rückverfolgbarkeit von Produkten
  • optimierte Sortierprozesse im Rückbau
  • Grundlage für digitale Produktpässe und zukünftige Materialdatenräume

Damit schafft Sutracrete eine wichtige Verknüpfung zwischen Materialforschung und digitalen Transformationsprozessen im Bauwesen.

Ökobilanz: Starke Argumente für den Kreislauf

Die im Projekt durchgeführte Life Cycle Assessment (LCA) belegt den ökologischen Mehrwert:
Mineralische Bauabfälle – die rund ein Drittel des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland und Europa ausmachen – können als hochwertige Sekundärrohstoffe wieder in die Zement- und Betonindustrie zurückgeführt werden.

Die Ergebnisse zeigen:

  • Erhöhung der Verwertungsquote mineralischer Abfälle
  • Steigerung des Rezyklatanteils in Betonprodukten
  • nachweisliche ökologische Vorteile durch Rohstoffeinsparung und CO₂-Reduktion

>> Steckbrief Sutracrete

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